Lange Nacht der Museen – im East Side Atelier in Minuten zum Maler werden?
Gerade online entdeckt, bei der nächsten Langen Nacht der Museen ist die East Side Gallery mit von der Partie.
Immer an der Mauer entlang
Die 26. Lange Nacht der Museen führt am Samstag, den 30. Januar 2010, auch an die East Side Gallery.
Wie aus dem online-Programmheft der Veranstalter* zu erfahren ist, werden zwischen 18 und 23 Uhr stündlich Führungen veranstaltet.
Die Malermacher im East Side Atelier an der Mauer
Sie wollten schon immer mal eine Leinwand gestalten? Als gäbe es nichts Dringenderes zu tun, der Vorstand der East Side Gallery tritt mit einem erstaunlichen Angebot an: Im Pavillon am Schiffsanleger der O2-Arena, am Abend der Langen Nacht der Museen zum East Side Atelier verwandelt, kann jeder sofort zum Maler werden – kein Studium, kein Kurs, kein Workshop. Einfach so. Eine Leinwand, Pinsel, Farbe – und schon kann die ‘Leinwandgestaltung’ beginnen!
Zitat:
“East Side Atelier
Besucher können in lockerer Atmosphäre mit East Side-Künstlern sprechen sowie selbst zum Maler werden und Leinwände gestalten.
Pavillon am Schiffsanleger O2-Arena” **
Einige für Alle ?
Auch eine Ausstellung wird für die Lange Nacht der Museen versprochen. Zum einen sollen historische Dokumente zur Mauer an der Mühlenstraße gezeigt werden, zum anderen Portraits von East Side Gallery-Künstlern. Wir dürfen – wie stets – gespannt sein, um wessen Portraits es sich dabei handeln wird. Vielleicht um ‘über 100′ Portraits von Künstlern, die aus aller Welt (nein, nicht etwa vor allem aus Berlin und Deutschland) extra zur Sanierung nach Berlin gekommen waren? Oder bleibt es – wie in den allermeisten Darstellungen – bei einer bestimmten Handvoll (vorwiegend Vorstands-)Künstlern mit den stets stellvertretend für alle genannten Werken? Wir dürfen, wie gesagt, gespannt sein.
* Die Lange Nacht der Museen ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Berliner Museen mit der Kulturprojekte Berlin GmbH
** Quelle und mehr Informationen: http://www.lange-nacht-der-museen.de/
Auszeichnung der East Side Gallery: 29. Januar 2010
“Am 29. Januar 2010 präsentiert sich die East Side Gallery bei einem Aktionstag, an dem eine Ausstellung zur knapp 20-jährigen Geschichte (auch mit Informationen über die Künstler) eröffnet wird. Ort: Der Pavillon am O2World-Anleger.”
welt.de veröffentlichte diese Mitteilung und mehr, Malerinnen und Maler der East Side Gallery könnte das interessieren:
Die East Side Gallery hat einen Preis gewonnen, einen der zwölf Sonderpreise 2010 im bundesweiten Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“. Am 29. Januar 2010 wird in einer Feier die Auszeichnung als “Ausgewählter Ort” und für “Gelebte Einheit” übergeben.
Weiterführende Informationen:
Sonderveröffentlichung von www.welt.de
East Side Gallery im Glanz des Graffiti-Schutzes
Regenfreie Novembertage mussten und müssen abgewartet werden, um die letzten fertigen Mauerbildern an der East Side Gallery mit dem notwendigen Schutz zu versehen. Der transparente Überzug bringt die bemalte Mauer zum Glänzen wie feiner Zuckerguss und belebt die Farben durch erhöhten Kontrast. Graffiti lässt sich nunmehr leicht entfernen.
Bleibt zu hoffen, dass die Schicht auch der Schadstoff belasteteten Luft durch den starken Autoverkehr auf der Mühlenstraße und den subversiven Kräften des Wetters ausreichend Widerstand entgegensetzt.
Curriculum vitae – letzte Striche am Mauerbild an der East Side Gallery

Zum Letzten Mal das Malzeug ausgepackt: 'Curriculum vitae' ist fertig

12.11.2009. Nach dem regenerischen Wetter vieler Tage der letzten Wochen war es heute günstig, die letzten Striche am Mauerbild zu tun. Noch stehen Gerüste davor, eine Totale gibt’s erst in ein paar Tagen, der Ausschnitt im flauen Licht der hereinbrechenden Dämmerung zeigt, was dazugekommen ist, und für den, der es sich nicht zusammenzureimen weiß, steht es auch am Fuße der Mauer:
Each rose for one dead of 136.
Als die East Side Gallery 1990 entstand, wussten wir in Deutschland vieles (noch) nicht. Erst durch langjährige Forschungsarbeiten, durch systematische Auswertung der von der Staatssicherheit der DDR hinterlassene Akten wird heute mit Sicherheit von 136 an der Berliner Mauer zu Tode Gekommenen ausgegangen. Der Gedanke gefiel mir, für jeden dieser unglücklichen Menschen, die hier ihr Leben ließen, eine Rose in die Ziffern des Todesjahres zu setzen. Schon heute regte das Vorbeigehende zu Fragen an untereinander oder auch an mich. Das ist mehr, als ich mir hätte wünschen können.

Die Bedeutung der Flüchtenden nicht vergessen
East Side Gallery an den Regierenden Bürgermeister übergeben
6.11.2009. Der größte Teil der Bilder der East Side Gallery, dem längsten aus DDR-Zeiten erhalten gebliebenen Teil der Westberlin umspannenden Mauer, ist nach der Betonsanierung durch die neue Bemalung fertig gestellt. 74 Künstlerinnen und Künstler malten bis jetzt 94 Bilder von ursprünglichen 105. Drei Tage vor dem 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls wurde heute die in neuen Farben grell erstrahlende East Side Gallery dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, übergeben.

Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin, besichtigt die East Side Gallery, hier mit dem aus Indien stammenden Künstler Jolly Kunjappu vor dessen Bild 'Dancing to Freedom'
Der Weg dahin war nicht frei von Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Künstlern und dem Vorstand der Künstlerinitiative East Side Gallery e.V. (KI ESG) unter dem Vorsitz Kani Alavis. Eine Gruppe um den Künstler Bodo Sperling verweigerte erfolgreich, ihre Bilder neu aufzutragen. Deren Recherchen ist zu verdanken, dass einige daran interessierte Malerinnen und Maler der East Side Gallery Informationen über die bereitgestellten Gelder und deren geplante Verwendung (insgesamt 2,14 Mio. Euro) erhielten. Dabei fiel auf, dass vom Vorstand der KI ESG wohl immense Beträge veranschlagt wurden für die Ausleihe von Gerüsten, Leitern und Absperrgittern, für Farben und Pinsel, für Arbeitsschutzbekleidung und anderes mehr, für die Künstler jedoch handelte er kein Honorar aus. Letztere erhalten lediglich eine Verpflegungspauschale, 1oo Euro pro Tag für pauschale 30 Tage. Es mutet seltsam an, Verständnis dafür entwickeln zu sollen, dass nichts anderes als diese Form der finanziellen Anerkennung möglich gewesen sei.
Die allermeisten Künstlerinnen und Künstler wurden vom Vorstand vor vollendete Tatsachen gesetzt, nicht einmal alle in Berlin lebenden Mitglieder des Vereins bzw. Künstler, die nicht Vereinsmitglieder sind, was wohl für die meisten gilt, erhielten Einladungen zu Mitgliederversammlungen, um eigene Ideen oder auch Ansprüche und gewiss auch Taten in die Gestaltung der Sanierung und sonstige Vorhaben und Projekte um die East Side Gallery einbringen zu können.
Es hat den Anschein, als habe der siebenköpfige Vorstand die Planungen, die Finanzierungsmodalitäten, die Werbung und Begleitveranstaltungen während der fast einjährigen Sanierungsphase gemacht, ohne weitere Mitglieder des Vereins einzubeziehen. Bei einigen Künstlern stößt das nicht auf Akzeptanz. Ich selbst sehe das auch kritisch, als eine systematischer Bevormundung in der DDR Entronnene hätte ich mir in der Tat als Mitglied Einblicke, Einladungen zu Mitgliederversammlungen und die Möglichkeit gewünscht, mitzuwirken, anstatt mir alles überstülpen zu lassen.
Die Satzung des Vereins haben Bodo Sperling und ich schon mal behelfsmäßig beim Registergericht eingesehen, der Vorstand war zu beschäftigt, als dass er Fragen wie diesen hätte nachkommen können – so die Reaktion. Es bleibt abzuwarten, wie es damit weiter geht, wenn der Vorstand nach diesem unbestreitbaren Kraftakt wieder zur Tagesordnung übergehen wird.
Die Stadt Berlin, die Tourismuswerbung, die Touristen, der Bezirk Friedrichshain, die mit schönen Aufträgen aus dem Etat für die Sanierung der East Side Gallery bedachten Handwerksbetriebe des Bezirks – sie alle können sich auf jeden Fall freuen – über den Fall der Mauer und über den Einsatz all der Künstler für Essensgeld und Fahrtkostenzuschuss. Die ‘Wall of Fame‘ – diesen Namen gab ich der East Side Gallery, weil manche Besucher sogar bezahlen würden, um auf die Mauer malen zu dürfen und es ist der Titel eines Buches über die East Side Gallery, an dem ich arbeite – verspricht mehr als Honorar, zumindest für die, die sich stets in den Vordergrund zu setzen wissen.
Weniger Künstler als Bilder an der East Side Gallery
Bilder der East Side Gallery, Sanierung 2009
Kopien durch andere MalerInnen

Kopie von Gabriel Heimler, Mauerbild "Stay Free", Original von Christoph Frank

Kopie von Yoni, Mauerbild "Die Geburt der Kachinas", Original von Indiano
Zitat von NewsXL:
Denkmal oder Disneyland – Am 6. November wird in Berlin die sanierte East Side Gallery wiedereröffnet – Streit um entfernte Bilder –Von ddp-Korrespondent Nicolas Schmitt– (Mit Bildern und Infokasten) :: newsXL – schneller mehr wissen:
04.11.09.
[...] Wie verhärtet die Fronten zwischen den Parteien mittlerweile sind, verdeutlichen auch die unterschiedlichen Zahlen, die sie auf Anfrage nennen. Sperling gibt beispielsweise an, nur 74 von 101 noch lebenden Künstlern hätten an der neuen East Side Gallery gemalt. Alavi hingegen nennt die Zahl 98. Beide bezichtigen sich gegenseitig der Lüge. [...]*
Zwar erfährt man auf der Website der Künstlerinitiative East Side Gallery e.V. nicht, welche KünstlerInnen neben ihren eigenen zusätzlich die Bilder anderer KünstlerInnen kopierten, das jeweils aktuelle Verhältnis zwischen fertigen Bildern und MalerInnen kann allerdings durch Abzählen ermittelt werden. Für heute gilt:
Die Künstler:
9 Reihen x 8 Fotos + 2 Fotos = 74 KünstlerInnen
Die fertigen Bilder:
11 Reihen x 8 Fotos + 6 Fotos = 94 fertige Bilder
20 Bilder ohne anwesende KünstlerInnen wurden demnach von der Gruppe der 74 kopiert, darunter sind Vorstandsmitglieder des Vereins, die z.T. auch mehrfach kopieren. Nachzulesen an den Signaturen auf den Bildern.
Weiterführende Informationen:
*Den ganzen Artikel auf der Website NewsXL lesen
Nur Ignoranz? “Mauer soll bunt werden”
East Side Gallery – West Side Gallery? Die Berliner Mauer zukünftig beidseitig als Aktionsfläche für Buntheit ?
- Das letzte noch aufrecht stehende, in großen Teilen zusammenhängende Ensemble der Berliner Mauer. Die Rückseite der East Side Gallery soll nun auch noch ‘bunt’ werden. Mit bunter Farbe und ‘künstlerisch gestaltet’ Spuren der gewaltvollen Diktatur übermalen, Erinnerung an die Opfer damit vermeiden – oder was ist der Hintergrund solcher Pläne? Dann wäre ich doch eher dafür, gleich die ganze DDR aus den Geschichtsbüchern zu tilgen. So wie in einem DDR-Lexikon von 1972 das Wörtchen ‘privat’ nicht mehr vorkommt, ‘Privateigentum‘ allerdings war zu lesen.
Die taz schreibt heute:
Mauer soll bunt werden
EAST-SIDE-GALLERY Antrag zur künstlerischen Gestaltung der Westseite wird diskutiert
Die East-Side-Gallery in Friedrichshain soll auf der spreezugewandten Westseite regelmäßig künstlerisch gestaltet werden.
Und wieder wird die Mauer auf ein Objekt reduziert, das ‘bunt’ und ‘künstlerisch gestaltet’ werden soll. Nicht der geringste Hinweis auf die Todesarchitektur, die dem Bauwerk als Mahnmal und Gedenkort Respekt abfordert. Nochmals reduziert auf einen Malgrund, der dem Plan nach halbjährlich Wettbewerbe auslöst und damit Spektakel für Medien und Touristen.
Längst wird die East Side Gallery ausreichend verkannt. Das kann jeder erleben, der dort an seinem Bild längere Zeit arbeitet und Fragen der vorbeiströmenden Touristen anhört: etwa jeder Dritte wünscht zu wissen, wo er jetzt sein Bild an die Mauer malen könne.
Wer hörte davon, dass andere Orte, an denen Menschen durch staatliche Gewalt zu Tode kamen, ‘bunt’ und ‘künstlerisch’ gestaltet wurden? Nicht von neu zu schaffenden Kunstwerken des Gedenkens ist die Rede, sondern von existierender Architektur, geschaffen, Andersdenkenden die Würde, die Freiheit und das Leben zu nehmen.
Wenn die tödliche, menschen- und menschenrechtsverachtende Bedeutung der Berliner Mauer nicht einfließt in die Wettbewerbsvorgaben, sehe ich schwarz. Für die Mauertoten, für die Flüchtenden, die ihr Leben riskierten, für alle, die in Mauern etwas anderes sehen als bloße Allerweltsmalgründe.
Weiterführende Informationen:
Den ganzen taz-Artikel lesen

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